Willkommen in meiner kleinen Ecke des Internets. Schön, dass du da bist. Egal, ob du gerade erst anfängst, dich mit ADHS zu beschäftigen, ob du herausfinden willst, was es bedeutet, neurodivergent zu sein, oder einfach nur neugierig bist: Dieser Raum ist für dich. Ein Raum, in dem du dich gesehen, verstanden und – hoffentlich – inspiriert fühlst.

Fangen wir mit etwas Einfachem an, das oft missverstanden wird: ADHS.

Was ist ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um eine neurodivergente Ausprägung der Gehirnentwicklung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft. Und nein, es geht nicht einfach nur darum, leicht abgelenkt oder hyperaktiv zu sein. Das ist nur ein winziger Teil eines viel komplexeren Bildes.

Trotz des Namens hat ADHS nichts mit einem Mangel an Aufmerksamkeit zu tun. Es geht darum, wie das Gehirn Aufmerksamkeit, Energie und Emotionen reguliert. Für manche bedeutet das, sich schwer fokussieren oder organisieren zu können. Für andere zeigt es sich in innerer Unruhe, impulsiven Entscheidungen oder einem dauerhaften Gedankenkarussell. Und für viele ist es eine Mischung aus allem.

Wichtig ist zu verstehen: ADHS entsteht nicht durch schlechte Erziehung, Faulheit oder zu viel Bildschirmzeit. Es ist eine neurologische Besonderheit, tief verwurzelt in der Funktionsweise des Gehirns. Und ja, es bringt Herausforderungen mit sich, aber auch versteckte Stärken: Kreativität, Widerstandskraft, Intuition und die Fähigkeit, ausserhalb gewohnter Denkmuster zu denken.

person writing on brown wooden table near white ceramic mug

Wie sich ADHS zeigt

ADHS wird oft anhand von drei Hauptsymptomgruppen beschrieben: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Das kann sich zeigen als Vergesslichkeit, Abschweifen in Gesprächen, Schwierigkeiten mit Deadlines oder das Gefühl, nicht lange stillsitzen zu können.

Wie genau sich diese Merkmale äussern, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Manche erleben vor allem die unaufmerksamen Ausprägungen, andere spüren mehr körperliche oder geistige Unruhe. Viele erleben beides gleichzeitig.

Deshalb unterscheidet man drei ADHS-Typen:

  • Vorwiegend unaufmerksamer Typ (ADHS-I): Häufig bei Frauen und Mädchen. Herausforderungen zeigen sich zum Beispiel durch Tagträumerei, Vergesslichkeit oder Organisationsprobleme. Weil dieser Typ nicht dem klassischen Bild von ADHS entspricht, bleibt er oft unentdeckt, besonders in Schule oder Beruf. Er macht etwa 20 bis 30 % aller Diagnosen aus.
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ (ADHS-HI): Seltener, etwa 5 bis 10 % aller Fälle. Sichtbarer durch Unruhe und impulsives Verhalten, zum Beispiel durch Dazwischenreden, Gedanken herausplatzen lassen oder ständigem Bewegungsdrang. Oft wird dieser Typ mit Kindern assoziiert, er kann sich aber auch bei Erwachsenen zeigen, manchmal subtiler.
  • Kombinierter Typ (ADHS-C): Eine Mischung beider Kategorien. Dieser Typ ist am häufigsten und betrifft rund 50 bis 75 % der Menschen mit ADHS.

Woher kommt ADHS?
Studien zeigen, dass ADHS häufig in Familien vorkommt, ein klarer Hinweis auf genetische Zusammenhänge. Auch Unterschiede in Struktur und Funktion des Gehirns, vor allem in den Bereichen, die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle steuern, spielen eine zentrale Rolle.

Wichtig zu wissen: ADHS entsteht nicht durch Trauma, schlechte Erziehung oder mangelnde Disziplin. Diese Faktoren können beeinflussen, wie sich Symptome zeigen oder wie wir mit ihnen umgehen, aber sie sind nicht die Ursache. ADHS ist eine neurologische Besonderheit, die in der Kindheit beginnt, auch wenn sie oft erst viel später erkannt wird.

Eine Diagnose erhalten

Die Diagnose erfolgt durch eine umfassende Abklärung bei einer Fachperson mit Erfahrung in neurodivergenten Profilen, meist Psycholog:in, Psychiater:in oder Neurolog:in. Dabei wird die Lebensgeschichte betrachtet, der aktuelle Alltag und wie sich die Symptome in verschiedenen Bereichen zeigen: zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Schule.

Es gibt keinen einzelnen Test für ADHS, und der Weg zur Diagnose benötigt Zeit. Für vertiefende Infos empfehle ich z. B. das ADDitude Magazine oder Elpos, diese Seiten bieten viele hilfreiche Beiträge und Tipps zum Thema ADHS.

Für viele bringt die Diagnose, nach Jahren voller Fragen, Unsicherheit oder Selbstzweifel, endlich eine grosse Erleichterung und Klarheit.

Leben mit ADHS

ADHS ist nicht „heilbar“, aber das heisst nicht, dass man nicht aufblühen kann.

Mit dem richtigen Support, Coaching, Strategien, Struktur, Gemeinschaft und manchmal auch Medikamenten, können Menschen mit ADHS ein erfülltes, freudvolles Leben führen. Es braucht vielleicht ein wenig Ausprobieren, denn was für eine Person funktioniert, passt nicht automatisch für alle. Das Ziel ist nicht, ADHS zu „reparieren“. Es geht darum, ein Leben zu gestalten, in dem dein Gehirn mit dir arbeitet, nicht gegen dich.
Mit ADHS zu leben, heisst oft, sich in einer Welt zurechtzufinden, die nicht für dein Denken gemacht ist. Das kann anstrengend sein. Aber es kann auch zu tiefer Selbstkenntnis, grosser Kreativität und einer einzigartigen Perspektive führen.

Genau das dürfen wir auch feiern.

Chantal